Stadtmöblierung

Diese Serie von Fotografie entsteht seit 1995 fortlaufend auf den Strassen von Berlin. Sie umfassen inzwischen etwa 200 Fotografien. Präsentiert werden diese idealerweise als Wiedereinrichtung von Wohnräumen oder Musterzimmern mit Schaufenstern - in Orginalgröße gedruckt und auf Platten kaschiert, aufgestellt, plaziert wie Möbelstücke.
Die Fotomappe ist wie ein Möbelkatalog sortiert. Man kann sie auch als fortlaufende Bilderfolge hängen.
Als Stadtmöblierung bezeichet man die im öffentlichen Strassenraum und in Parks von der Verwaltung verordneten, designten, aufgestellte Bänke, Laternen, Werbetafeln, Müllbehälter usw., oft mit Aufwandt an Verwaltung, Ausschreibung und finanzielle Mitteln verbunden.
Diesen Begriff wende ich nun an auf den von den Bewohneren gestalteten (oder verunstalteten) Stadtraum, den etwas seltsamen Umgang der Bewohner mit ihrer Stadt-Umgebung.
Ich will damit aber vor allem den manchmal entstehenden poetischen Zufall, oder die zufällige Posie von Orten und Dingen zeigen, welche die Potenz haben eigene persönliche Geschichten weiterstricken zu können, oder Erinnerungen wachzurufen, augenzwinkernd satierisch. Müll ist nicht gleich Müll, Möblierung nicht gleich Möblierung. nicht jeder Haufen weckt Geschichten.
So erzählt sie wohl auch von der immer mehr umsichgreifenden Verantwortungslosigkeit in unserer gesellschaft, einer sichtbaren Anarchie, und vom Unverständnis gegenüber dem eigenen Lebensumfeld. Und so sind diese Bilder auch ein zu verallgemeinerndes Symbol für den Zustand in unserer Gesellschaft, nicht nur äusserlich, sondern auch in unseren Köpfen. Und auch darüber lässt sich vortrefflich philosophieren.